Freitag, 24 Mai 2019 15:56

Jahreshauptversammlung im Kuppelsaal: Vorstandsvorsitzender Beckmann beklagt falsche Wohnungsbaupolitik

Das nasskalte Wetter draußen konnte die gute Stimmung drinnen nicht vermiesen. Rund 1200 Mitglieder waren zur Jahreshauptversammlung von HAUS & GRUNDEIGENTUM in den Kuppelsaal gekommen. Und sie bekamen eine erfreuliche Nachricht zu hören. Der Vorstandsvorsitzende Rainer Beckmann: „Wir haben unsere Ziele 2018 umfassend erreicht.“

So gab es im vergangenen Jahr mehr Beratungen als zuvor – ob persönlich, telefonisch, brieflich oder per E-Mail. Auch die Vortrags- und Seminarveranstaltungen wurden von einer steigenden Zahl von Mitgliedern besucht.
Ein besonderer Anlass zur Freude: Die Tochtergesellschaft HAUS & GRUNDEIGENTUM Service mit ihrem Geschäftsführer Dr. Oliver Kiaman war als einziges Maklerunternehmen in Hannover zum zweiten Mal nach 2017 vom Wirtschaftsmagazin Capital mit der Höchstnote von fünf Sternen ausgezeichnet worden.
Ein Erfolg waren auch die Feierlichkeiten zum 125. Geburtstag des Vereins – sowohl die Jahreshauptversammlung, zu der Haus & Grund Deutschland extra seinen Zentralverbandstag nach Hannover verlegt hatte, als auch die Jubiläumsfeier im Herbst mit 1800 Mitgliedern und der Empfang für 150 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft im Schloss Herrenhausen.
Höhepunkte bei den Veranstaltungen seien der Festvortrag von Ex-Landtagspräsident Jürgen Gansäuer („125 Jahre HAUS & GRUNDEIGENTUM in turbulenter Zeit“) und die Gastreden von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki, Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers, Oberbürgermeister Stefan Schostok und Regionspräsident Hauke Jagau gewesen.
Sehr besorgt zeigte sich Beckmann dagegen über die aktuelle Wohnungspolitik in Hannover. Das Dilemma auf dem Wohnungsmarkt liege nicht an zu hohen Mietpreisen im Bestand, sondern vielmehr an rasant gestiegenen Baukosten, fehlendem Bauland, explodierenden Nebenkosten, der Bürokratie und den wenig überzeugenden politischen Antworten und Lösungen.
Und der Vorstandsvorsitzende nannte dafür einige Beispiele:
1. In Hannover werden, das habe sich jüngst bei einer Experten-Anhörung im Bauausschuss gezeigt, bei Dachausbauten die Brandschutzbestimmungen schärfer ausgelegt als in anderen Großstädten. Mit dem Ergebnis, dass sie praktisch nicht mehr stattfinden.
2. Der Investor der für 3000 Menschen geplanten Wasserstadt Limmer habe nach 20 Jahren immer noch kein Haus dort stehen. Bis heute müsse er mit den Behörden streiten, um ein dort stehendes total verseuchtes, fast hundert Jahre altes Fabrikgebäude abreißen zu dürfen.
3. Das Ampelbündnis habe aktuell einen Antrag in die Ratsgremien eingebracht, mit dem die Herstellung bzw. Vorhaltung von Photovoltaikanlagen in die Bebauungspläne eingearbeitet werde und gleichzeitig die Leitlinien für Dachbegrünungen angepasst werden sollen.
Beckmanns Fazit: Das sind alles Vorgänge und Maßnahmen, die mit Sicherheit keinen Beitrag für günstiges Wohnen leisten. Der vielfach beklagte Anstieg der Neubau-Mieten sei daher auch eine direkte Folge von ausufernden Entscheidungen und Bestimmungen, für die ganz allein Politik und Verwaltung die Verantwortung trügen.
Immerhin habe es im vergangenen Jahr aber auch einen tollen Erfolg für die Haus-, Wohnungs- und Grundstückseigentümer in der Landeshauptstadt gegeben: Die umstrittene und sozial ungerechte Strabs sei nach langem Kampf endlich abgeschafft worden.
Umjubelter Festredner des Abends war Ministerpräsident a.D. und CDU-Spitzenkandidat für die Europawahl, David McAllister. In seinem einstündigen Vortrag hielt er ein flammendes Plädoyer für ein starkes Europa.
McAllister: „Europa ist nicht fehlerfrei. Aber Europa stärken heißt Deutschland stärken. Europa ist ein wunderbares Projekt des Friedens und der Freiheit.“ Der Verbund sei zu wertvoll, um ihn Nationalisten und Populisten zu überlassen.
Der ehemalige Ministerpräsident sprach sich für mehr Zusammenarbeit in der Außen- und Sicherheitspolitik aus. Zugleich aber dürften die einzelnen Staaten nicht aus der Verantwortung für stabile eigene Finanzen entlassen werden.
Und er erinnerte noch einmal an die Bedeutung der Immobilienbesitzer für unsere Gesellschaft. McAllister: „Privateigentum ist die Grundlage des Wohlstands.“
Sehr erfreulich waren auch die finanziellen Zahlen des Vereins, die die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Mady Beißner verkündete: Das stetig gestiegene Vereinsvermögen weist mit mehr als zwei Millionen Euro jetzt eine Eigenkapitalquote von 81 Prozent auf – Rekord. Der Jahresüberschuss für 2018 lag bei über 46.000 Euro – so wie geplant.
Für Walter Heitmüller neu in den Vorstand gewählt wurde Kai-Uwe Henneberg. Der 55-jährige selbstständige Handwerksmeister ist auch Kreishandwerksmeister, Obermeister der Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Hannover und Vorstandsmitglied der Handwerkskammer. Wiedergewählt in den Vorstand wurde Kassenwart Karsten Klinger.

Michael Nicolay